• May 12, 2021
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Blitzbesuch aus Albanien: Vermittlungsversuch zwischen Athen und Ankara?

Elisa Hübel
Der Ministerpräsident Albaniens Edi Rama führte Ende voriger Woche überraschend einen inoffiziellen Besuch in Griechenland durch. Ihm zu Ehren gab sein Amtskollege Kyriakos Mitsotakis ein Essen, an dem sich auch der griechische Außenminister Nikos Dendias beteiligte.

Dem Griechenland-Besuch vorangegangen war eine offizielle Reise Ramas in die Türkei, wo dieser mit der dortigen politischen Führung Kooperationen in Militär- sowie im Sicherheitsbereich erörterte.
Angesichts der Stippvisite in Athen kommentierten Beobachter aus Tirana, dass sich Rama das Ziel gesetzt habe, als Vermittler zwischen Athen und Ankara zu fungieren. Hintergrund ist die seit Sommer sehr angespannte Situation in der Ägäis. Nicht zuletzt stellt die Türkei griechische Hoheits- und Souveränitätsrechte in Frage und setzt sich dabei auch über die Ausschließliche Wirtschaftszone Griechenlands hinweg. Einen Gang vor den Internationalen Gerichtshof von Den Haag lehnt Ankara jedoch ab. Griechenland und Albanien hatten sich hingegen im Oktober darauf geeinigt, Den Haag anzurufen, um die Ausschließlichen Wirtschaftszonen beider Länder festzulegen.
Offiziell wurde nach dem jüngsten Treffen in Athen lediglich bekannt, dass man über die EU-Perspektive der Länder des westlichen Balkans, über die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen gesprochen habe. Presseberichten zufolge hat die griechische Seite eine Eventualität, Impfstoff gegen Covid-19 nach Albanien zu liefern, zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen.
Der im Schattenkabinett der Oppositionspartei Bündnis der Radikalen Linken für das Auslandsressort zuständige Jorgos Katroungalos forderte die Regierung dazu auf, Einzelheiten über den Besuch Ramas in der griechischen Hauptstadt bekannt zu geben. (Griechenland Zeitung / eh)